Aloha ihr Lieben,
ich melde mich mal kurz vom Klausurenmarathon aus dem Hausaufgabendschungel. Mir geht es gut, auch wenn es im alltäglichen Leben manch belastende Ereignisse gibt.
Schon seit Montag wollte ich mal wieder über das Verhalten meiner geliebten Mitmenschen schreiben..
"Ist doch nicht mein Problem" sowas finde ich ganz furchtbar.
Ich bin für ein menschliches, bewusstes Miteinander, nicht für eine Gesellschaft, in der jeder jedem egal ist und nur der eigene Arsch zählt. Egoismus, egozentrisches und vor allem unbedachtes Handeln, sowas macht mich rasend vor Wut. Ich finde wirklich, dass man nicht einfach die Augen vor den Tatsachen verschließen darf. Klar, Japan (worum es momentan so sehr geht) ist weit weg, aber macht das die Menschen dort weniger menschlich? Wir erleben sie zwar nicht im Alltag, leben nicht Seite an Seite mit ihnen, aber dennoch sind es Mitmenschen, Leute wie wir, die auch ein Leben und Gefühle haben. Einfach ignorant zu sein und sich kein Bisschen für das Leben anderer interessieren, finde ich kacke. Solange es nur dem eigenen Dasein gut geht und man seinen Gelüsten nachgehen kann ist die Welt in Ordnung. Ist man selbst betroffen und kann dieses schöne Leben nicht mehr so einfach führen, sollen plötzlich alle kommen und einem zur Seite stehen, Hilfe leisten. Nur, damit der eigene Arsch gerettet wird. Genau der Arsch, dem es eigentlich scheißegal ist, wie es den anderen geht.
"Es ist dieses 'Ist mir doch egal wie es anderen Menschen geht, solage ich's gut hab'-Prinzip vieler Menschen, das ich hasse" meinte ich auf Twitter zu Asu.
Man muss es gar nicht einmal auf Japan beziehen. Ob es der Person nun egal ist, dass ein Bekannter verreckt, oder ob sie das Sterben von Unschuldigen nicht interessiert, um sich nicht damit die gute Laune versauen zu lassen.. ist so oder so ein Arschloch, so jemand!
Man kann niemanden zwingen, Anteil am Schicksal anderer zu nehmen, ich finde aber, dass es nicht einfach so ignoriert werden sollte. Nur weil es am anderen Ende der Welt ist, bedeutet das nicht, dass es nicht auch unser Leben betrifft. Ob einem nun egal ist, was den Japanern zustößt, oder ob es ihm egal ist, wenn einem Bekannten ein Unglück widerfährt, meiner Meinung nach sollte man
nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen, sondern immer bereit sein zu reagieren, um das beste aus der Situation zu machen. Ich möchte aus Geschehnissen lernen und stets versuchen, ein möglichst menschliches Zusammenleben zu garantieren. Denn ist nicht dieses Zusammenleben, das das Leben erst schön macht?
Auch hier könnte ich wieder mit meiner
"Wie du mir, so ich auch dir. Wie ich dir, so du auch mir"-Einstellung kommen. Wenn ich anderen helfe, so möchte ich im Falle eines Falles doch auch geholfen bekommen. Und Leute, die erwarten, dass sich alle Probleme von selbst lösen bzw. dass auf einmal Mitmenschen aus dem Nichts auftauchen und ihnen bei ihrer Scheiße helfen, kotzen mich an. Wie wär's mit einem sozialen Dasein, welches einem garantiert, von anderen nicht im Stich gelassen zu werden? Das setzt dann aber natürlich auch vorraus, dass man nicht einfach wegsieht, sondern dass man bedacht handelt und reagiert.
"Sollen doch andere es machen!" Tzzz. Was ist das denn bitte für eine faule Ausrede?
Eigendliche Anregung für den Post war eine Aussage meiner Mutter. Ich hatte ihr gesagt, dass ich es scheiße von mir selbst finde, nicht auf die Anti-Atomkraft Demo in der Nähe zu gehen. Sie meinte daraufhin bloß "Sollen es doch andere machen, das ist nicht dein Problem."
Und ob es mein Problem ist. Und es auf andere abzuschieben, zu erwarten, dass andere die Arbeit machen, finde ich scheiße. Wenn ich meiner Meinung gehör verschaffen will, dann spreche ich doch auch selbst und suche mir nicht einen Deppen, der die Sache für mich erledigt.
Wer weiß, vielleicht gibt es ja auch niemanden, der meine Sache so vertreten kann, wie ich. Nur ich kann meine Interessen wirklich ganzherzig durchsetzen. Warum soll man sich auf andere verlassen, ihnen die Arbeit in die Schuhe schieben, wenn doch sogar das Risiko besteht, dass es nicht so raus- oder rüberkommt wie ursprünglich geplant?
Und dieses
Desinteresse, das da mitschwingt. Schlimm finde ich sowas. Es ist wohl unser Problem, was die Zukunft bringt und ob man uns weiter den scheiß Gefahren dieser dummen AKWs aussetzen wird. "Sollen das doch andere machen." PAH! Wenn jeder Mensch eine solche Einstellung hätte, würde letztendlich gar keiner was machen. Wo würden wir denn da hinkommen?
Ziemlich kacke finde ich eine solche Einstellung. Wenn man einen verunglückten Menschen sieht, so hilft man ihm doch, oder? Man lässt ihn nicht liegen in der Hoffnung, dass sich irgend ein anderer Depp dazu bereit erklärt, zu helfen. Es ist nicht nur bei der Vertretung der Meinung, viel zu oft erlebe ich, wie Leute und auch ich selbst mit einer "Solln's doch die anderen machen, ich mach mir nicht die Hände schmutzig"-Einstellung durch den Alltag gehen. Doch wirklich effektiv ist sowas nicht!
Wenn alle Menschen mit einer
"Lass es die anderen machen"-Einstellung durch die Welt gehen würden, kämen wir wahrscheinlich schnell an einem unschönen Punkt an. Und ich finde es so widersprüchlich und irgendwie auch unverständlich, dass man trotz dem Sehnen nach Veränderung nicht die kleinste Bemühung macht, um diese Veränderung in die Wege zu leiten.
Menschen, die mit dem System unzufrieden sind, gleichzeitig aber keinen Finger krumm machen wollen, um was daran zu ändern, sind irgendwie dämlich, find ich. Und wenn man eine Meinung hat, dann sollte man doch zu dieser stehen. Und wenn man aktiv werden will, dann sollte man aktiv werden! Nicht hoffen, dass irgendwelche anderen Leutchens des Weges kommen und dann das vertreten, wozu man selbst zu faul war.
Was soll diese Lethargie? Diese Einstellung, man müsse sich nicht bemühen, weil es andere gibt, die's machen können? Aber dann
jammern, wenn's nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, jaja. Aber zu erwarten, dass die eigenen Vorstellungen wahrgenommen und berücksichtigt werden, obwohl man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, sie zu offenbaren, ist doch stumpfsinnig.
Umso schlechter ist also mein Gewissen, nicht dort auf der Demo gewesen zu sein. Zu wichtig war mir meine eigene Scheiße. Eine Klausur zu schreiben und dafür was zu tun schien mir wohl wichtiger, als mich für eine bessere Zukunft einzusetzen. Tse. Ich bin echt wütend auf mich selbst und darauf, dass ich mich nicht einmal an meine eigenen Erwartungen und Vorsätze halten kann. Da erwarte ich Engagement von anderen und weniger Faulheit,
bin aber selbst zu faul und zu egoistisch um all das
"Ich muss was tun, damit sich was bewegt" in die Tat umzusetzen. Ich brauch mich gar nicht wundern, dass sich nichts bewegt. Wenn alle solche trägen Säcke wie ich sind, kann da ja nichts gehen.
Es ist so wichtig, dass man nicht einfach stumm und taub durch die Welt humpelt. Wenn man was bewegen will, muss man auch etwas dafür tun. Daheim auf der Couch zu gammeln und zu hoffen, dass sich was bewegt, ist naiv, sinnlos, whatever. Ich halte es für wichtig, sich für seine Interessen einzusetzen
und es nicht einfach irgendwelchen Politikern und Wirtschaftsriesen zu überlassen, ohne uns über unsere Zukunft zu bestimmen.
Also, lasst uns unsere Meinung kundtun! Wenn wir was verändern wollen, müssen wir uns auch dafür einsetzen! Und mehr Bedacht und Verantwortung für ein gutes Zusammenleben, bitte!
Lange Rede, kurzer Sinn. Die Worte kamen mal wieder anders raus und die ursprünglichen Gedanken sind nur vage zu erkennen. Aber vielleicht erkennt ihr ja, was ich meine.
Es würde mich freuen, eure Meinung dazu zu hören.
Wie empfindet ihr das, was ich versuchte zu schildern?
Wie findet ihr solche "Ist mir doch egal, was andere für Probleme haben."-Menschen?
Geht ihr auf Demos? Macht ihr was, damit sich was verändert?
Oder findet ihr auch, dass andere es machen sollten?
Was hindert euch daran, aktiv zu werden?
Findet ihr Demos vielleicht sogar unsinnig?
Bloß ein Studenten-Hobby, das die Politik nie weiterbringen wird?
Ich liebe es, mich mit euch auszutauschen. Ich finde, da bekommt man ganz neue Denkanstöße, was echt weiterbringt, als das ständige Herumwälzen der eigenen, vielleicht unvollständigen Meinung.
Nunja, ich wünsche euch noch eine wundervolle Woche!
Genießt die Sonne und die Wärme. :)